all in month: October, 2005
Legitimation
Kurz vor dem Urlaub merkt man dann, daß der eigene Reisepaß und zu allem Überfluß auch noch der Personalausweis seit Monaten abgelaufen sind. Also muß neues Ausweismaterial her. Die Gelegenheit ist günstig, da es noch bis November die guten alten Reisepässe ohne biometrischen Schnickschnack gibt.
So bin ich dann also frohen Mutes und mit vier Paßbildern in das Paß- und Meldewesen meines Vertrauens gegangen. Nicht das man sich das hätte aussuchen können. Geht nur da, wo man hauptwohnsitzlich gemeldet ist. Ich also in Templin. Neues Rathaus. Keine Menschenseele. Nur ein paar Handwerker.
Doch, an der Information ist erstaunlicherweise jemand anzutreffen. Ich frage höflich, wo man denn hier einen Reisepaß beantragen könne. Wie das auf Ämtern so üblich ist, tut die freundliche Frau gleich so, als ob es einer Mehrlingsgeburt gleich kommt einen Reisepaß zu beantragen – viel zu schwierig. Außerdem sei heute sowieso keine Sprechzeit beim Paß- und Meldewesen.
Also niemand da?
– fragte ich. Ihr Stolz ließ sie jetzt jedoch einen entscheidenden Fehler machen und folgende Antwort wählen:
Das niemand da ist, habe ich nicht gesagt. Heute ist keine Sprechzeit.
Aha, also doch jemand da, will nur nicht mit mir sprechen.
Ja, Sprechzeiten sind Montags, Dienstags und Donnerstag – Freitags nicht. Ich warf ein, daß ich leider die ganze Woche auswärts arbeiten bin und Freitag der einzige Tag wäre an dem ich hier sein könnte. Ob ich denn nicht wenigstens daß Antragsformular ausfüllen und einreichen könnte.
Antragsformular?! (guck sich einer diesen Trottel an…). Junger Mann, wir arbeiten hier nur noch mit Computern. Antragsformulare gibts nicht mehr.
Doch scheinbar sah ich so erbärmlich aus, daß Sie meinte, ich sollte doch mal vorsichtig an Zimmer 102 klopfen. Vielleicht könne man mir ja AUSNAHMSWEISE doch heute helfen.
Mich immerwieder dankend verneigend schlich ich rückwärts aus dem Informationsbüro. Ab zu Zimmer 102. Doch noch bevor ich an der sinnigerweise von aussen mit Leder gepolsterten Tür klopfen konnte, gab mir eine Frau aus einem Nebenraum zu wissen, daß dort niemand da sei. Ich entschuldigte mich, daß mich die nette Frau aus der Information aber eben gerade hierher geschickt hatte um mein Glück auch ausserhalb der Sprechzeit zu versuchen. Doch die Frau bestand darauf, daß heute keine Sprechzeit ist und mir dort niemand helfen würde. Ihr war schnell anzumerken, daß man hier mit einem Dackelblick nicht weiterkommen würden. Sie nannte mir nochmal die Sprechzeiten und, was viel wichtiger war, die Option telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Offensichtlich sollte diese Frau eigentlich in Zimmer 102 sitzen und hatte keinen Bock eine Ausnahme zu machen.
So zog ich mich erstmal zurück um einen teuflischen Plan zur Erlangung der Ausweise zu ersinnen. Die Idee mit der telefonischen Terminabsprache erschien mir nicht so verkehrt. Da man ja heute immer ein Mobiltelefon dabei hat, nutzte ich selbiges um noch direkt für dem Rathaus einen Termin zu vereinbaren.
Wieder die gleiche Leier – Freitags keine Sprechzeit. Ich wieß nochmals auf meine Situation hin, in der Hoffnung, doch noch bedient zu werden. Und tatsächlich. Mit schier unentlicher Güte ließ sich die Dame am Telefon herab mir anzubieten, noch am selben Tag innerhalb der nächsten halben Stunde zu kommen. Aber nur, wenn ich schon alles dabei hätte. Konkret hieß das Paßbilder und die alten Ausweise.
Hatte ich, war ja vorbereitet.
Das war keine 2 Minuten nachdem ich vor Zimmer 102 abgeblitzt war. Ich also wieder rein und forsch an die verlederte Tür geklopft. War natürlich nicht zu hören. So mußte ich also einfach die Tür öffnen und mit einem Anschiß rechnen. Aber egal.
Drinnen fand ich erwartungsgemäß die Frau, die mich soeben abserviert hatte. Sie hatte mich offenbar am Telefon eben nicht erkannt. Doch nun erkannte sie den Trick und war etwas ungehalten.
Das ist aber nicht fair was sie hier machen. So war das nicht gemeint.
Das verstand ich nicht.
Sie haben gesagt, man könne telefonisch einen Termin vereinbaren. Das habe ich soeben getan und Sie haben mir gesagt ich könne sofort kommen. Was ist daran nicht fair?
Tja, dumm gelaufen. Aus dieser Situation konnte sie sich jetzt nicht mehr rauswinden ohne komplett das Gesicht zu verlieren. Doch einen Trumpf hatte sie noch.
Dann müssen sie jetzt aber nochmal draussen Platz nehmen. Ich habe ja schließlich auch noch andere Sachen zu tun.
Das konnte ich von draußen hören. Sie telefonierte mit der Frau in der Information und beschwerte sich, daß die mich hierüber geschickt hatte. Dann beschwerte sie sich nochmal bei ihrem Kollegen über meine Dreistigkeit. Nachdem sie mich ca. 5 min hat warten lassen durfte ich dann endlich mein Anliegen vortragen.
Erstaunlicherweise war sie dann bei der Bearbeitung der beiden Anträge trotzdem sehr freundlich und hat ohne weiteres Murren alles gemacht.
Wie zu erwarten war, hat das ganze alles in allem ca. doppelt so lange gedauert, als wenn sie mich gleich bedient hätte. Aber so ist das nunmal auf dem Amt. Effektivität und Kundenorientierung sind Fremdwörter.
Hat mich dann ingesamt leider doch 82,- Euro gekostet. Verwarngeld für abgelaufene Ausweise, Express-Zuschlag und die neuen Ausweise….
Einweisung
Ich beantrage die Einweisung in eine geschlossene Anstalt, mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Bundesinnendikator Otto Schily dreht völlig am Rad. Er maßt sich an zu entscheiden, was Pressefreiheit ist und was nicht. Nachzulesen hier: SpON
Mit Verlaub… Herr Schily, Sie sind ein Arschloch… (frei nach Joschka Fischer)
Miniwolf
Willi schickte sich am Wochenende an mit einer Plastikharke und einer Kastanie in die welt des mondänen Sports einzusteigen. Mama lobte anerkennend: “Oh, spielts Du Minigolf?”.
Da kam der Filius entrüsted zu mir und klagte:
Papa – Mama hat gesagt ich bin ein Miniwolf.
Wo sie recht hat …
Binz am Morgen
Natürlich gibts auch von diesem Wochenende an der Ostsee wieder einige Photos.
Für alle Zugangsberechtigten hier der Link in die Photo-Gallerie:
Hinweis für die Freunde
In Röddelin ist die Wende noch nicht angekommen. Die Russen sind seit Jahren weg, aber die Wegweiser zeigen immernoch in dicken kyrillischen Lettern wo’s lang geht.




