dem Schweinehund das Fell gebürstet

Gestern war es nun also soweit. Der 70. Berlin Marathon – mein erster – begann um punkt 9:00 Uhr auf der Strasse des 17. Juni. Meine Vorbereitungen dazu begannen im April, kurz nachdem ich mich zum Marathon angemeldet hatte.

Vor gut zwei Wochen habe ich als letzten Test eine 30km Strecke in Templin absolviert. Das lief eigentlich sehr gut, so daß ich guter Dinge für den Marathon war. Am Samstag war ich auf der Berlin VITAL Messe und habe meine Startnummer geholt. Das alleine war schon ganz schön anstrengend, da Gelände der Messe kurz hinter dem Flughafen Tegel nur sehr mühsam zu erreichen war. Vor Ort musste man sich mit tausenden anderer Leute durch die Hallen quetschen um endlich zur Nummerausgabe in der hintersten Halle zu kommen. Diese ging dann jedoch sehr zügig und auch das Chip (für die Zeiterfassung beim Laufe) Einscannen dauerte nur einige Sekunden.

Am Samtag abend las ich mir nochmal alle notwendigen Infos auf der offiziellen Webseite durch um auch ja mein Umkleide-Zelt und Stellplatz zu finden. Da ich vorher noch nie einen Marathon gelaufen bin, wurde ich im hintersten Startblock H platziert. Dort sammelten sich alle Erst-Läufer und Leute die mehr als 4:15h für den Lauf brauchen würden. Ich war ca. 08:00 Uhr auf dem Gelände und staunte nicht schlecht über die gute Organisation. Klar waren es sehr viele Leute. Aber alles in allem kam man doch ohne Hektik und Gedränge zu seinem Zelt. Alles war ordentlich durchnummeriert und ausgeschildert.

Marathon

Vor Ort zog man sich um und viele Leute rieben sich mit allerlei Salben und Ölen ein. Es roch auf jeden Fall sehr sehr merkwürdig in den Umkleider-Arealen. Im Startbereich wurde dann auch alsbald ein Aufwärm-Programm geboten. Ein paar Instruktoren hüpften auf Platformen zu lauter Musik umher und animierten die Leute zum mitmachen.

Netterweise waren auch im Startbereich nochmal mobile Toiletten-Häuschen aufgestellt die ich dankend nochmal in Anspruch nahm. Die Aufregung hielt sich bei mir zum Glück in Grenzen. Von anderen Teilnehmern hat man ja da ganz andere Sachen gehört. Um 09:00 Uhr also der Startschuss für den ersten Block. Aus diesem schoss laut Zeitungsberichten Haile Gebreselassie hervor und ward nicht mehr zu bremsen.

Aber das war alles lange vor mir. Wir hinten mussten noch den Start des zweiten Blockes etwa 5 Minuten später abwarten, bis auch wir uns in den Startbereich begeben durften. Um ca. 09:23 Uhr überquerte ich dann endlich die Startlinie zu meinem ersten vollen Marathon.

Freunde hatten mich gewarnt mich anfangs nicht von der Masse mitreissen zu lassen und evtl. zu schnell zu laufen. Das ging in der Masse in der ich Steckte gar nicht. Es waren so viele Läufe, daß man kaum schneller voran kommen konnte. Es sei denn man versuchte über die Flanken in halsbrecherischen Aktionen über den Bordstein zu überholen.

Ich versuchte dann trotzdem auf mein normales Lauftempo von ca. 5:30min/km zu kommen. Auf den ersten 15km hatte ich auch das Gefühl schneller als die Masse zu laufen. Allerdings merkte ich schon nach besagten 15km daß meine Knie anfingen zu schmerzen. Beim Training hier in Berlin bin ich die 10km jeweils auch auf hartem Untergrund gelaufen. Die längeren Strecken in Templin jedoch immer durch den Wald. Allerdings hatte ich das Gefühlt, daß sich Asphalt doch nicht so schlecht läuft, da man nicht ständig auf den Weg achten muss.

Riesenmaschine

Das Laufen in der Masse ist jedoch auch etwas anstrengend, da man ständig aufpassen, ausweichen, abbremsen und beschleunigen muss. Ab km 20 war also klar, daß dieser Lauf auf Asphalt wohl doch schmerzhafter enden wird als meine Läufe im Wald. Nunja. Meine Zeiten waren bis zur Halbzeit OK. Ich hatte mir vorgenommen wenigstens die ersten 20km mit einer Geschwindigkeit von 10km/h zu laufen. Das hat auch ganz gut geklappt.

Die Verpflegung mit Getränken unterwegs war übrigens sehr gut. Der erste Stand kam bei km 5 und dann folgten etwa alle 2,5 km die Versorgungsstände. Es gab immer mindestens Wasser, an jedem 2. Stand gab es auch noch warmen Zitronentee und BASICA-Mineralgetränk. Teilweise wurden auch Bananen und Äpfel gereicht. Zweimal habe ich mir auch Bananen genommen und gemütlich unterwegs verspeist. Zu meinem Glück hatte ich damit keine Probleme. Ich befürchtete, daß mein Magen wegen der Anstrengung evtl. etwas dagegen haben könnte, aber dem war nicht so.

Sonderlich anstrengend im Sinne von aus der Puste sein, war der Lauf auch nicht. Ab km 25 merkte ich wie meine Oberschenkelmuskulatur zunehmend zäher wurde. Und die Knie beschwerte sich auch über jeden Schritt. Richtig fies wurde es etwa bei km 38. Mein linker Oberschenkel verhärtete sich immer mehr. Ich dachte, wenn das noch schlimmer wird und auch durch kurzes Gehen nicht weggeht, dann muss ich wohl aufhören.

Also nutzte ich zuerst die Verpflegungsstände um ein kurzes Stück zu gehen. So konnte man auch passer trinken und saute sich nicht immer komplett ein 😉

bei km 39

Das half zum Glück. Der angehende Krampf löste sich nach einigen kurzen Gehpausen wieder und so konnte ich die letzten 3 km doch noch durchlaufen. es machte auch nicht wirklich einen großen Unterschied ob ich ging oder lief. Die Knie schmerzten eh bei jedem Schritt. Auch die Achillessehne unten ander Ferse macht sich bemerkbar.

Am Ende war ich froh nicht aufgegeben zu haben und trottete nach genau 4h 40 min durchs Ziel. Mein erster Marathon – geschafft. Meine Knie und Fußgelenke gaben mir deutlich zu verstehen, daß sie diese Aktion nicht so lustig fanden. Aber ich konnte noch laufen und fühlte mich einigermaßen wohl.

Bei der Inventur abends unter der Dusche stelle ich noch einige kleinere Blessuren fest. Noch auf der Messe hatte ich mich über Brustwarzenpflaster lustig gemacht. Unter der Dusche merkte ich jedoch ein unangenehmes Brennen an eben jener Stelle welche diese Pflaster schützen sollten. Aha – auf längeren Strecken sind die also doch von Nutzen. Ansonsten die üblichen kleinen Blasen an den Füssen und ein paar Scheuerspuren. Aber nichts dramatisches.

Eine Überraschung bot dann noch der Gang auf die Waage. Hatte ich vor dem Marathon noch 85kg auf selbiger zur Anzeige gebracht, waren es am Abend des Marathons nur noch 81kg. Die ganze Nacht über “brannte” mein Körper noch nach. Ich fühlte mich als hätte ich Fieber. Aber das ist wohl normal so. Die Muskeln verbrennen immernoch etwas nach. Heute morgen waren es dann auch nur noch 80kg auf der Wage. Also satte 5kg verloren. Das ist genauso viel, wie in den paar Monaten Trainingsphase… 😉

Autor: falko

a *nix nerd

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