akuter Bildungsnotstand

Seit einem Jahr ist unser ältester Sohn nun in der Grundschule in Berlin. Und wie schon befürchtet ist das Bildungssystem und seine Auswüchse eine echte Katastrophe. Seit wenigen Jahren ist es in Berlin für jede Grundschule Pflicht die 1. und 2. Klassen in einer gemeinsamen Lehrstufe zusammen zu fassen. Dadurch soll es den Erstklässlern erleichtert werden sich in den Schulalltag zurecht zu finden. Wer schnell ist, kann sich an den Lerninhalten der 2. Klasse versuchen und wer aus der zweiten Klasse im letzten Jahr vielleicht nicht so schnell war, der kann nochmal bei den “Kleinen” mit zuhören. Soweit die Theorie. Ausserdem wird sehr viel Gebastelt und Gesungen und gespielt und alles ist total “kuschelig” und verspielt. Die Konsequenz daraus war in unserem Fall das weder die 1. noch die 2. Klassenstufe ihr Lernziel in diesem Jahr erreicht hat.

Ich kann hier natürlich nur für unser Kind sprechen, aber ich denke, daß es auch anderen Familien ähnlich geht. Unser Kind ist sehr lern- und wissbegierig. Er will lernen und neue Sache ausprobieren. Er mag den “Wettstreit” mit anderen und die Belohnung für geleistete Dinge. Das Singen und Basteln unterfordert ihn. Und wenn zu Gunsten von ein paar Liedern und der schönen Stimmung echte Inhalte und Fähigkeiten auf der Strecke bleiben macht mich das echt wütend. Nicht nur, daß das Schulsystem diesen Schongang vorschlägt und unterstützt, auch dem theoretisch pädagogisch geschulten Lehrkörper scheint das entgegenzukommen denn man muss beim Liedersingen nicht den “Bad Guy” spielen der etwas schweres fordert sondern kann den Entertainer miemen, den alle Kindern mögen.

Ausserdem gibt es in den ersten beiden Jahren keine Zensuren als Bewertung. Weil die kleinen ja noch nicht dem bösen Leistungsdruck ausgesetzt werden sollen. Statt dessen denkt man sich alternative Belohnungs- bzw. Bewertungssysteme aus. Bei uns z.B. sogenannte Flüsterkronen. Damit wird der beabsichtigte Sinn des Verzichts auf Noten natürlich ad absurdum geführt. Den Kleinen ist es schließlich egal ob sie mit einer Ziffer oder einer Krone bewertet werden.

Der krönende Abschluss des Schuljahres sind dann die Schulbücher des neuen Jahres. Für jedes Fach gibt es nicht nur ein Buch, sondern gleich mehrere Lernhefte. Diese haben natürlich keine Standardformate, sondern sind individuell je nach Verlag. So kann man natürlich keine Standard-Umschläge nehmen sondern muss einen Bastelabend einlegen um die Bücher vor übermäßigem Verschleiß zu schützen. Was aber eigentlich auch vergebene Mühe ist, denn die Bücher können nach dem einen Jahr sowieso weggeworfen werden. Vererben an Verwandte oder Freunde ist nocht möglich, da zum einen jeder Lehrer selbst entscheiden kann welche Bücher er für seinen Unterricht verwendet und zum anderen die Bücher in jedem Jahr in einer neuen, leicht veränderten Auflage erscheinen. Es ist offenbar nicht erwünscht das die Lernmaterialien wiederverwendet werden. Ich unterstelle hier unverblümt böse, nämlich kapitalistische Absichten der Schulbuchverlage welche durch intensive Lobbyarbeit auch die entsprechenden Schulbehörden derart konditioniert haben, daß diese Praktiken von dort toleriert oder gar unterstützt werden.

Mal sehen was also das zweite Schuljahr bieten wird….

Autor: falko

a *nix nerd

  1. Hey falko,

    ich bin genau deiner Meinung und finde dieses Zusammensein von erster und zweiter klasse extrem doof! Ich meine, es dauert nicht mehr lange, da wird erste bis vierte klasse zusammen gelegt und dann geht der eigentlich Bildungsdrang total verloren. Außerdem finde ich es schlimm, dass manche schon 5 eingeschult werden! Das ist viel zu früh! Dann sollen sie lieber eine Art Gesamtschul-system bis zur 10 Klasse durchführen und wer Abitur machen möchte, der kann noch weiter machen… wer nach der 9ten klasse geht, der hat automatisch den hauptschulabschluss und wer nach der 10ten geht, der hat einen realschulabschluss… und dann kein grundschul und weiterführende schulsysteme mehr!!! so ist meine meunung!

Comments are closed.