Internet in die Schulen – wiewowas?

Heute durfte ich auf der re:publica14 einem Vortrag von @hilliknixibix, @pausanias, @holadiho zum Thema Internet und Technikinhalte an Schulen lauschen. Die drei erzählten über ihre jeweiligen Erfahrungen das Thema “Internet und Technologie” an Schulen zu bringen. Dabei erzählte @hilliknixibix aus der Sicht einer Lehrerin, und Stephan und Maxim aus der Sicht von Vätern.

Aber warum muss man diese Themen überhaupt an Schulen bringen? Offenbar besteht bei vielen Eltern und auch Schülern das Gefühl das den Kindern in der Schule nicht genug, oder nicht früh genug das Internet und begleitende Technologien nahe gebracht wird.

Ganz ähnliche Erfahrungen habe ich als Vater von schulpflichtigen Kindern ebenfalls gemacht. Desweiteren pflege ich immer noch guten Kontakt zu meine ehemaligen Gymnasiallehrern welche noch im Dienst sind.

Offiziell gibt es zwar ein Fach Informatik an vielen Schulen, jedoch scheint der offizielle Lehrplan systembedingt der Realität um etliche Jahre wenn nicht sogar Jahrzehnte hinterzuhängen. Da wundert es auch nicht, wenn die Lehrer selbst in Themen wie Internet und Internettechnologien wenig bewandert sind.

Dabei behaupte ich mal gehen sowohl Lehrer als auch Schüler heutzutage fast täglich mit dem Internet um. Die Mehrheit hat eMail, viele sogar Accounts in sozialen Netzwerken. Mobiltelefon mit Internetverbindungen begleiten uns täglich.

Bei unserem Sohn am Gymnasium werden Hausaufgaben fast nur in Gruppenarbeit gelöst. Die Kindern haben sich ganz von selbst über WhatsApp oder Skype organisiert und stehen den ganzen Tag im regen Austausch miteinander.

So eine extrem starke Vernetzung war zu meiner Zeit rein praktisch kaum möglich gewesen.

Diesen neuen Entwicklungen und Realitäten sollten die Schulen Rechnung tragen. Hier ist eine neue Situation für Lehrer und für Schüler entstanden die für alle Seiten Herausforderungen und Chancen birgt.

Wie @hilliknixibix im anschließenden Gespräch bemerkte stehen beim Thema Internet die Lehrer oft vor der Situation das sie nicht mehr die Wissenshoheit haben. Hier sind Schüler, selbst in unteren Klassenstufen, oftmals deutlich weiter als ihre Lehrer. Ich glaube für viele Lehrer ist dies eine per se unangenehme Situation. Dennoch werden sie sich darauf einrichten müssen und die Krise als Chance begreifen. Denn das geht nicht mehr weg. Das Internet scheint (doch) keine Modeerscheinung zu sein 😉

Stephan und Maxim haben Initiative ergriffen und an ihren Schulen Internetkurse für die Grundschüler gehalten. Ein Model was durchaus Schule machen kann.

Ich selbst habe an meinem ehemaligen Gymnasium auch schon Vortäge bzw. Workshops für die Benutzung von Internet-Tools zur Kollaboration gehalten.

Aber solche Initiativen sind allenfalls ein Tropfen auf einem heißen Stein. Zumindest bei dem Vortrag heute schien sich die Mehrheit der Anwesenden zu wünschen das Internet & Technologiethemen zu Standard/Pflichtfächern an allen Schulen werden.

So richtig ich das auch finde, so unrealistisch finde ich die Vorstellung leider auch. Der offizielle Weg ein so grundlegend neues Thema im normalen Schulbetrieb unterzubringen würde mit Sicherheit Jahrzehnte dauern. Über die Erstellung der Lehrpläne, die Ausbildung der Lehrer bis hin zur Schaffung der technischen Infrastruktur an den Schulen.

Was jedoch schneller realisierbar wäre ist eine Art Internet-Berater an der Schule. Das bräuchte pro Schule sicher nur eine Person zu sein, ggf. können sich sogar mehrere Schulen einen Internet-Berater teilen. Dieser Berater würde, ähnlich den Schulpsychologen, oder Frauenbeauftragten etc, für alle Teilnehmer des Schulbetriebs bzgl. Internet und Technologiethemen als Berater fungieren. Er könnte den Lehrern erklären mit welchen Mitteln ihre Schüler kommunizieren und lernen. Den Schülern könnte er Umsicht im Umgang mit sozialen Medien nahe bringen und ebenfalls Tools und Methoden von Projekt zu Projekt beisteuern.

Diese Internet-Berater sollten untereinander im Austausch stehen und die Mittel des Internet nutzen um möglichst nah am Puls der Zeit zu bleiben.

Da es offenbar viele Eltern gibt die sich gerne daran beteiligen diesen Themen mehr Raum in den Schulen zu geben kann ich mir gut vorstellen, das ein guter Teil der Materialien für diese Beraterrolle in Form von Crowd Sourcing erstellt werden kann. Vorträge, Kursmaterial, Programmierhilfen, Beispielcode etc. lässt sicht sehr gut in digitaler Form erstellen, weiterentwickeln und verbreiten.

Ich glaube die Chancen pro Schule oder Schulbezirk wenigstens einen solchen Berater durchzusetzen sind weitaus höher als Informatik/Programmierung als Pflichtfach einzuführen (wobei man dieses Ziel nicht aufgeben sollte). Da der- oder diejenige keinen normalen Unterricht halten muss, muss es nicht einmal ein ausgebildeter Pädagoge sein (glaube ich, Achtung: gefährliches Halbwissen).

Die Aufgaben dieses Beraters und vor allem die Grenzen müssen jedoch klar definiert werden. Es kann natürlich nicht sein, dass diese Berater als schulischer IT-Support missbraucht werden. Der Fokus sollte auf der Vermittlung von Wissen und eben Beratung bestehen. Bei letzterem sehe ich den größten Bedarf bei den Lehrern.

Autor: falko

a *nix nerd